How to #2: Trainingspläne als Rennschnecke

Jap. Es geht wieder los. Die Off Season 2018 ist Geschichte, ab heute startet mein Trainingsplan in Richtung meines Saisonhiglights, dem Ironman 70.3 Luxemburg. Es gibt viele Möglichkeiten, sich Unterstützung bei der Trainingsplanung zu holen: Internet, Trainer, Bücher, Zeitschriften, Vereine, und, und, und….Doch wie funktioniert das, wenn man so langsam ist, dass man bei allgemein gehaltenen Plänen aus dem Netz oder in den gängigen Trainingsbibeln etwas aus dem Raster fällt?

How to #1: 5 Tipps für deinen Laufeinstieg als Rennschnecke

Du bist eine Couchpotato und möchtest das ändern? Laufen war für Dich bisher eine langweilige Angelegenheit, aber nach deinen ersten zwei, drei Läufen hast Du Schweiß geleckt? Vielleicht geht es Dir auch wie mir und Du bist weder super schlank noch super schnell – genau dann sind die folgenden Tipps genau die richtigen für Dich!

Die Rennschnecke

Die Rennschnecke, das bin ich. Christina, Baujahr 82, Historikerin und Läuferin aus Leidenschaft. Rennschnecke und immer fröhlich auf den hinteren Plätzen eines Volkslaufes unterwegs. Angefangen hat alles 2015 mit einem gemütlichen 5km-Lauf – mittlerweile habe ich über 10 Halbmarathons, 2 Marathons (FFM 2017 und NYC 2019) ins Finish gebracht.

Meine persönlichen Highlights: erster Marathon (Frankfurt 2017), erster World Major Marathon (New York 2019), Ironman 70.3 Luxemburg (2019)

Natürlich bin ich auch nicht böse, wenn bei meinen sportlichen Aktivitäten das ein oder andere Kilo purzelt (teilweise ist das auch Absicht 😉 ), aber es geht mir in erster Linie nicht um das „Höher, schneller, weiter“, sondern um Spaß, Herausforderungen, Freude und die Lust am Laufen.

On My Way To West Highland Way 2021

Oh my – wie habe ich das gebraucht! Diese Mail gestern: „Liebe Frau R., hiermit bestätigen wir Ihre Buchung auf dem West Highland Way für 08/2021.“ Seitdem bin ich die Hauptdarstellerin in meiner eigenen Variante von „Outlander“. DAS hat jetzt gefälligst zu klappen! Und weil ich mich gerade nicht zwischen Jamie Fraser und Rob Roy entscheiden kann (Jamie! Jamie! 😉 ) versuche ich mich mit einem kleinen optimistischen Ausblick in das Jahr 2021 abzulenken.

„frühe Schottland-Erinnerung, die“
Die gibt es in meiner persönlichen Enzyklopädie durchaus. Denn wer wie ich schon früh von den Hotelhassern, äh, ELTERN – mit dem Wohnmobil durch die europäische Weltgeschichte gescheucht wurde, der hat so allerhand erlebt. Auch in Schottland. So muss es in den 90ern gewesen sein, als sich eine pfälzische Familie gen Schottland aufmachte. Damals total in: Wild campen. Natürlich nur, wenn es nicht verboten war. Das war es aber in der Tat sehr häufig – meist mit Hilfe eines Schildes: „NO OVERNIGHT PARKING!“ Was machte mein cleverer Vater? Steigt aus dem Auto, holt aus seinem unendlich scheinenden Werkzeug-Fundus das passende Gerät, schraubt das Schild ab, packt es ein und kündigt grinsend an, eben jenes Schild seinen Teenager-Töchtern wechselweise übers Bett zu hängen. Ah ja…Und wenn es nicht verschrottet wurde, dann steht es immer noch in einer Garage in der Vorderpfalz…

Jetzt geht es also 2021 wieder nach Schottland. Den letzten kürzeren Trip gab es 2014 nach Edinburgh und Umgebung. Dort eher motorisiert unterwegs, werde ich nächstes Jahr wandern. Der West Highland Way verläuft über 154 Kilometer von Milngavie (bei Glasgow) nach Fort Williams. Vorbei an Loch Lomond, dem Conic Hill, durch Hochmoore und über alte Viehtrieb-Routen…Ach, i frei mi 🙂 Nicht zu vergessen: die Whiskey Destillerien…
Als Historikerin mit mehr als ausgeprägter Affinität zu den britischen Inseln nicht uninteressant: Rob Roy, die Jakobiten, das Massaker von Glencoe – das 17. und 18. Jahrhundert war ein sehr grausames für diese Gegend.
Man kann den Weg in verschieden langen Etappen wandern, campen oder Hotels und B&Bs nutzen. Ich werde 8 Tage wandern, von Unterkunft zu Unterkunft. Die Camping-Variante war mir dann doch zu viel Abenteuer. Organisiert wurde das alles von einem deutschen Reiseveranstalter (erinnert mich ein wenig an das NYC-Marathon-Abenteuer) – ich muss mich um nichts kümmern, außer um Anreise, Transfer bis zum Startpunkt und mein täglich benötigtes Gepäck. Aber ganz sicher wird das dennoch nicht der letzte Post zum Thema Vorbereitung gewesen sein, denn meinen Maulwurf-ähnlichen Orientierungssinn will ich vorher ganz sicher nochmal in freier Wildbahn testen.

On a more serious note: Ich freue mich total auf diesen Urlaub – gerade würde ich mich als total euphorisch beschreiben. Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass ich für dieses Vorhaben noch einmal so dermaßen Feuer und Flamme werden könnte. Meine großen Ziele nächstes Jahr sind weniger sportlicher, sondern persönlicher Natur, und die Aussicht auf den West Highland Way hat mich schon in der wirklich harten Trennungszeit im Februar und März durchhalten lassen. Zwar hat es dieses Jahr nicht geklappt, doch darüber bin ich aus heutiger Sicht gar nicht so böse. Es hätte dieses Jahr Ende August auch aus persönlicher Sicht nicht wirklich gepasst. Der August 2021 hört sich doch auch wirklich genial an für so ein Vorhaben. Denn im Grunde plane ich diese Reise seit Februar 2020 – um für mich zu sein, die Natur zu genießen und so vieles einfach loszulassen.
Es ist noch einige Zeit bis dorthin und grade weiß man nicht so wirklich, wie man planen soll und ob man sich überhaupt unbeschwert auf so etwas freuen kann – aber genau das werde ich jetzt verdammt nochmal tun. So – in your face, 2020 🙂

How to #3: 2020

Meine Corona-Chroniken – Teil „puh, ich zähle schon gar nicht mehr mit“. Fakt ist: jeder von uns hat eine harte Zeit dieses Jahr. Und wie so vieles andere auch ist auch der Umgang mit solchen unvorhersehbaren Extremsituationen eine sehr persönliche und subjektive Angelegenheit. Richtig und Falsch gibt es hierbei nicht.

Ich kann nur von mir berichten, wie ich mit diesem längsten, härtesten Jahr meines Lebens umgegangen bin. Sport ist nicht immer das Wichtigste, dennoch waren die Triathlon-Disziplinen (nun, ausgenommen die erste…) eine gute Möglichkeit, mich abzulenken und den verschiedenen Phasen zumindest etwas Struktur zu geben. Im Moment ist mir aber das Ziel, mich persönlich weiter zu entwickeln, zu verarbeiten, loszulassen, wichtiger als ein sportliches.

Es ist etwas völlig übliches, mit Schnupfen, Rückenschmerzen, Zahnschmerzen oder sonstigen Problemen einen Arzt aufzusuchen. Sich um psychische Probleme zu kümmern, scheint noch nicht ganz so locker gesehen zu werden. Für mich war aber die Verhaltenstherapie, die ich im Spätsommer begonnen habe, ein wichtiger Teil, um wieder zurück auf meinen Weg und mich selbst zu finden. Anfangs hatte ich eine Sitzung wöchentlich, mittlerweile bin ich alle vier Wochen zu einem Gespräch bei meiner Therapeutin. Das ist nicht meine erste Therapie – Anfang 20 war ich schon einmal wegen einer Angststörung in Behandlung. Für mich ist es das normalste auf der Welt, dass dies zu meiner Biographie gehört und ich mit dennoch für eine starke Persönlichkeit halte.

Ich weiß, dass dieses Jahr Narben hinterlassen hat, die eine ganze Weile brauchen werden, bis sie wieder heilen. Es gab und gibt immer noch Momente, in denen ich sehr an mir zweifle und einfach traurig bin. In denen Erinnerungen, Verletzungen, Zurückweisungen urplötzlich weh tun und mich wach halten. Geduld ist nicht meine beste Angewohnheit – und genau das ist gefragt, wenn man sich selbst Zeit geben muss, um zu heilen, sich selbst zu verstehen und sich selbst auch einzugestehen, dass es ok ist, wenn es schlechte Tage gibt, an denen man traurig und schwach ist. Das alles gehört dazu. So ist das Leben. „It comes and goes in waves“.

Dennoch fühle ich mich – ganz. Ich bin ich geblieben, in jeder Entscheidung die ich dieses Jahr getroffen habe. Was habe ich gelernt? Dass man viel mehr aushalten kann, als man denkt. Dass mich bei Entscheidungen ein „entweder – oder?“ lähmen kann. Dass ich erst einmal wieder lernen musste, alleine sein zu können. Das war wohl die am schwersten zu verstehende Lektion dieses Jahr. Für jemanden, die immer gut alleine klar kam, war es schwer zu sehen, dass es genau das war, was ich wollte, das es mir schwerer gemacht hat, als ich dachte – und mich sehr verunsichert hat.

Und vor allem habe ich gelernt: dass ich es wert bin. Ich bin es wert, dass man mich annimmt, wie ich bin. Dass ICH mich annehme, wie ich bin. Dass meine Gefühle eine Berechtigung haben und wichtig sind. Das habe ich mir dieses Jahr leider auch einreden lassen, dass sie das nicht seien.
Es ist immer schwer, darüber zu sprechen und zu scheiben – normalerweise bin ich niemand, dem Worte fehlen. Vielleicht bin ich noch zu nahe dran, vielleicht ist es ungewohnt, über solche Dinge zu schreiben. Aber gut, das ist 2020 🙂

So sind wir dann wohl angekommen, im Dezember aka Level 12 von Jumanji. Es wäre ja wirklich schön, wenn die Silvester-Fee mit den Fingern schnipsen würde und ab dem 1.1. alles wieder gut wäre. So wie…“davor“. Vor Corona und der Trennung und allem, was mich danach noch so unendlich verletzt hat.
Für mich wird es nie wieder so sein wie vor März 2020. „Is it terrifying?“ Ja, manchmal war es das. Und nein, manchmal war es das auch nicht – denn dieser Teil des Weges endet, die Reise geht aber trotzdem weiter.
Es ist immer noch eine Herausforderung, das alles. Aber: „mental health matters“. Für jeden von uns, und in diesem Jahr mehr denn je. Denn auch hier ist noch nicht absehbar, was diese Umstände an langfristigen psychischen Folgen haben werden…
Und wenn ihr möchtet, würde es mich sehr freuen, von euch zu hören, wie ihr es bis Dezember geschafft habt und wie es euch geht.

Wieder an der Startlinie

2020 war so konfus, so schlimm, so außergewöhnlich. Aber was, wenn es in einigen Bereichen nicht das schlimmste Jahr war? Was, wenn man die Veränderungen annimmt, Chancen sieht, heilt, sich gutes tut?

Denn wenn irgendein Rennen endet, gibt es ganz sicher irgendwo anders eine Startlinie, von der aus es wieder los geht.
Ja, ungelogen – es war für viele ein schweres, ein sehr schweres Jahr. Ich hätte in all dem ganzen Pandemie-Gedöns, der Trennung und dem Drama danach auf vieles verzichten können. Aber so ist da halt: man braucht die harten, schwierigen Zeiten, um zu lernen und weiter zu kommen.

Ein großer Teil von mir verarbeitet, indem ich Sachen ausspreche, zu Dingen stehe, die nicht so laufen. Ich spreche sie aus und dadurch verlieren sie ihre negative Wirkung. Lachen und Weinen, Positives und negatives, all das gehört für mich einfach zum Leben dazu. Und vor allem habe ich hier das Gefühl, dass so viele von euch mich schon länger kennen – auch wenn es hier eine gewisse Öffentlichkeit gibt.

Ich habe immer wieder versucht Worte zu finden, für die Post-Trennungs-Scheiße, die mir passiert ist. Vielleicht war ich eine ganze Weile noch zu nah dran, vielleicht, nein, ganz sicher musste ich auch damit einfach klar kommen. Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet mir das passieren würde, denn ich halte mich für eine starke unabhängige Frau.
Sicherlich gibt es immer zwei Seiten, aber für mich war das die wohl toxischste Erfahrung seit es Affären gibt. Noch nie habe ich jemanden erlebt, der sich derart viel Mühe gegeben hat, um in mein Leben zu kommen – und gar nicht die Absicht hatte zu bleiben. Ich habe so unglaublich an meinem Selbstwert gezweifelt, aber am Ende habe ich eine wichtige Lektion gelernt: ich hätte gar nicht daran zweifeln müssen, denn mein Stolz und das Bewusstsein über mein Wert waren es, die mich aus der ganzen Scheiße gerettet haben. Nie und nimmer gehören Frauen so derart in den Schatten gestellt und behandelt – und es war unglaublich befreiend, das einzusehen und danach zu handeln.

Und im Nachhinein konnte ich die Art, wie Marcus und ich uns getrennt haben – und auch die Art, wie wir die 11 Jahre miteinander verbracht haben, ehrlich, loyal, fair und vor allem treu – noch mehr schätzen. Ich werde sehen, wohin es mich in den nächsten Monaten eventuell verschlägt – aber ich werde die Erinnerungen an diese Zeit immer in Ehren halten.

Darf im neuen Zuhause nicht fehlen: weniger Paincave. Eher Painecke 😉

Und sportlich? Mein Traum, beim Ironman Frankfurt zu starten, werde ich von 2021 wohl ein Jahr nach hinten verschieben. Diese epische, furchteinflößende Distanz verlangt zum einen volle Konzentration – und im Moment bin ich mehr damit beschäftigt mein Leben neu zu ordnen, zu schauen, wo es für mich hingehen wird. Zudem ist man ja, vor allem was das Schwimmen angeht, doch recht eingeschränkt, was das Training angeht. Die Schwimmstrecke für die Mitteldistanz habe ich schnell wieder drauf, aber die 3,89km – ganz zu schweigen vom Komplettpaket der Herausforderung – wollen doch so gut wie möglich vorbereitet sein. Und solltet ihr andere sportliche Herausforderungen in petto haben, die reizvoll sein könnten, immer gerne her damit!


So möglich, würde ich beim Ironman 70.3 Kraichgau aber gerne an der Startlinie stehen. Dieses Event war jahrelang fest im Rennkalender mit dabei, die Stimmung an der Strecke ist grandios – und der Grieche an der Laufrunde echt empfehlenswert. Natürlich nicht, wenn man selbst läuft 😉
Und ich hoffe, dass die Losfee es gut mit mir meint und ich im Dezember für den Berlin Marathon, der 2021 hoffentlich statt finden wird, ausgelost werde. 2018 war ich mit Marcus dort, als er seinen ersten World Major Marathon gelaufen ist und ich fand die Stimmung, die Stadt und die Strecke klasse.

So eine Zeit ist ja auch wirklich gut, um neue Hobbys zu verfolgen. Ich habe schon immer viel gelesen – aber irgendwie war das dieses Jahr nicht so meins. Also musste etwas andere her. „Malen nach Zahlen“. Hört sich nach ’nem Kinderspiel an, ist aber in der Erwachsenenvariante absolut pfriemelig und ab und an nervig – trotzdem habe ich mein erstes Meisterwerk vollenden können. Das nächste folgt wohl im Dezember.

Ganz sicher springt die Uhr am 1.1.2021 nicht auf „Upsi, jetzt ist alles gut“, aber trotz allem sehe ich dem nächsten Jahr hoffnungsvoll entgegen.
Nach all dem, was mir dieses Jahr passiert ist, weiß ich, dass ich stärker bin als ich selbst ahnen konnte und es kaum etwas gibt, was ich nicht schaffen kann. Und damit lässt es sich doch wirklich mehr als positiv nach vorne schauen: „Life begins at the end of your comfort zone“.