How to #3: 2020

Meine Corona-Chroniken – Teil „puh, ich zähle schon gar nicht mehr mit“. Fakt ist: jeder von uns hat eine harte Zeit dieses Jahr. Und wie so vieles andere auch ist auch der Umgang mit solchen unvorhersehbaren Extremsituationen eine sehr persönliche und subjektive Angelegenheit. Richtig und Falsch gibt es hierbei nicht.

Ich kann nur von mir berichten, wie ich mit diesem längsten, härtesten Jahr meines Lebens umgegangen bin. Sport ist nicht immer das Wichtigste, dennoch waren die Triathlon-Disziplinen (nun, ausgenommen die erste…) eine gute Möglichkeit, mich abzulenken und den verschiedenen Phasen zumindest etwas Struktur zu geben. Im Moment ist mir aber das Ziel, mich persönlich weiter zu entwickeln, zu verarbeiten, loszulassen, wichtiger als ein sportliches.

Es ist etwas völlig übliches, mit Schnupfen, Rückenschmerzen, Zahnschmerzen oder sonstigen Problemen einen Arzt aufzusuchen. Sich um psychische Probleme zu kümmern, scheint noch nicht ganz so locker gesehen zu werden. Für mich war aber die Verhaltenstherapie, die ich im Spätsommer begonnen habe, ein wichtiger Teil, um wieder zurück auf meinen Weg und mich selbst zu finden. Anfangs hatte ich eine Sitzung wöchentlich, mittlerweile bin ich alle vier Wochen zu einem Gespräch bei meiner Therapeutin. Das ist nicht meine erste Therapie – Anfang 20 war ich schon einmal wegen einer Angststörung in Behandlung. Für mich ist es das normalste auf der Welt, dass dies zu meiner Biographie gehört und ich mit dennoch für eine starke Persönlichkeit halte.

Ich weiß, dass dieses Jahr Narben hinterlassen hat, die eine ganze Weile brauchen werden, bis sie wieder heilen. Es gab und gibt immer noch Momente, in denen ich sehr an mir zweifle und einfach traurig bin. In denen Erinnerungen, Verletzungen, Zurückweisungen urplötzlich weh tun und mich wach halten. Geduld ist nicht meine beste Angewohnheit – und genau das ist gefragt, wenn man sich selbst Zeit geben muss, um zu heilen, sich selbst zu verstehen und sich selbst auch einzugestehen, dass es ok ist, wenn es schlechte Tage gibt, an denen man traurig und schwach ist. Das alles gehört dazu. So ist das Leben. „It comes and goes in waves“.

Dennoch fühle ich mich – ganz. Ich bin ich geblieben, in jeder Entscheidung die ich dieses Jahr getroffen habe. Was habe ich gelernt? Dass man viel mehr aushalten kann, als man denkt. Dass mich bei Entscheidungen ein „entweder – oder?“ lähmen kann. Dass ich erst einmal wieder lernen musste, alleine sein zu können. Das war wohl die am schwersten zu verstehende Lektion dieses Jahr. Für jemanden, die immer gut alleine klar kam, war es schwer zu sehen, dass es genau das war, was ich wollte, das es mir schwerer gemacht hat, als ich dachte – und mich sehr verunsichert hat.

Und vor allem habe ich gelernt: dass ich es wert bin. Ich bin es wert, dass man mich annimmt, wie ich bin. Dass ICH mich annehme, wie ich bin. Dass meine Gefühle eine Berechtigung haben und wichtig sind. Das habe ich mir dieses Jahr leider auch einreden lassen, dass sie das nicht seien.
Es ist immer schwer, darüber zu sprechen und zu scheiben – normalerweise bin ich niemand, dem Worte fehlen. Vielleicht bin ich noch zu nahe dran, vielleicht ist es ungewohnt, über solche Dinge zu schreiben. Aber gut, das ist 2020 🙂

So sind wir dann wohl angekommen, im Dezember aka Level 12 von Jumanji. Es wäre ja wirklich schön, wenn die Silvester-Fee mit den Fingern schnipsen würde und ab dem 1.1. alles wieder gut wäre. So wie…“davor“. Vor Corona und der Trennung und allem, was mich danach noch so unendlich verletzt hat.
Für mich wird es nie wieder so sein wie vor März 2020. „Is it terrifying?“ Ja, manchmal war es das. Und nein, manchmal war es das auch nicht – denn dieser Teil des Weges endet, die Reise geht aber trotzdem weiter.
Es ist immer noch eine Herausforderung, das alles. Aber: „mental health matters“. Für jeden von uns, und in diesem Jahr mehr denn je. Denn auch hier ist noch nicht absehbar, was diese Umstände an langfristigen psychischen Folgen haben werden…
Und wenn ihr möchtet, würde es mich sehr freuen, von euch zu hören, wie ihr es bis Dezember geschafft habt und wie es euch geht.

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