Wieder an der Startlinie

2020 war so konfus, so schlimm, so außergewöhnlich. Aber was, wenn es in einigen Bereichen nicht das schlimmste Jahr war? Was, wenn man die Veränderungen annimmt, Chancen sieht, heilt, sich gutes tut?

Denn wenn irgendein Rennen endet, gibt es ganz sicher irgendwo anders eine Startlinie, von der aus es wieder los geht.
Ja, ungelogen – es war für viele ein schweres, ein sehr schweres Jahr. Ich hätte in all dem ganzen Pandemie-Gedöns, der Trennung und dem Drama danach auf vieles verzichten können. Aber so ist da halt: man braucht die harten, schwierigen Zeiten, um zu lernen und weiter zu kommen.

Ein großer Teil von mir verarbeitet, indem ich Sachen ausspreche, zu Dingen stehe, die nicht so laufen. Ich spreche sie aus und dadurch verlieren sie ihre negative Wirkung. Lachen und Weinen, Positives und negatives, all das gehört für mich einfach zum Leben dazu. Und vor allem habe ich hier das Gefühl, dass so viele von euch mich schon länger kennen – auch wenn es hier eine gewisse Öffentlichkeit gibt.

Ich habe immer wieder versucht Worte zu finden, für die Post-Trennungs-Scheiße, die mir passiert ist. Vielleicht war ich eine ganze Weile noch zu nah dran, vielleicht, nein, ganz sicher musste ich auch damit einfach klar kommen. Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet mir das passieren würde, denn ich halte mich für eine starke unabhängige Frau.
Sicherlich gibt es immer zwei Seiten, aber für mich war das die wohl toxischste Erfahrung seit es Affären gibt. Noch nie habe ich jemanden erlebt, der sich derart viel Mühe gegeben hat, um in mein Leben zu kommen – und gar nicht die Absicht hatte zu bleiben. Ich habe so unglaublich an meinem Selbstwert gezweifelt, aber am Ende habe ich eine wichtige Lektion gelernt: ich hätte gar nicht daran zweifeln müssen, denn mein Stolz und das Bewusstsein über mein Wert waren es, die mich aus der ganzen Scheiße gerettet haben. Nie und nimmer gehören Frauen so derart in den Schatten gestellt und behandelt – und es war unglaublich befreiend, das einzusehen und danach zu handeln.

Und im Nachhinein konnte ich die Art, wie Marcus und ich uns getrennt haben – und auch die Art, wie wir die 11 Jahre miteinander verbracht haben, ehrlich, loyal, fair und vor allem treu – noch mehr schätzen. Ich werde sehen, wohin es mich in den nächsten Monaten eventuell verschlägt – aber ich werde die Erinnerungen an diese Zeit immer in Ehren halten.

Darf im neuen Zuhause nicht fehlen: weniger Paincave. Eher Painecke 😉

Und sportlich? Mein Traum, beim Ironman Frankfurt zu starten, werde ich von 2021 wohl ein Jahr nach hinten verschieben. Diese epische, furchteinflößende Distanz verlangt zum einen volle Konzentration – und im Moment bin ich mehr damit beschäftigt mein Leben neu zu ordnen, zu schauen, wo es für mich hingehen wird. Zudem ist man ja, vor allem was das Schwimmen angeht, doch recht eingeschränkt, was das Training angeht. Die Schwimmstrecke für die Mitteldistanz habe ich schnell wieder drauf, aber die 3,89km – ganz zu schweigen vom Komplettpaket der Herausforderung – wollen doch so gut wie möglich vorbereitet sein. Und solltet ihr andere sportliche Herausforderungen in petto haben, die reizvoll sein könnten, immer gerne her damit!


So möglich, würde ich beim Ironman 70.3 Kraichgau aber gerne an der Startlinie stehen. Dieses Event war jahrelang fest im Rennkalender mit dabei, die Stimmung an der Strecke ist grandios – und der Grieche an der Laufrunde echt empfehlenswert. Natürlich nicht, wenn man selbst läuft 😉
Und ich hoffe, dass die Losfee es gut mit mir meint und ich im Dezember für den Berlin Marathon, der 2021 hoffentlich statt finden wird, ausgelost werde. 2018 war ich mit Marcus dort, als er seinen ersten World Major Marathon gelaufen ist und ich fand die Stimmung, die Stadt und die Strecke klasse.

So eine Zeit ist ja auch wirklich gut, um neue Hobbys zu verfolgen. Ich habe schon immer viel gelesen – aber irgendwie war das dieses Jahr nicht so meins. Also musste etwas andere her. „Malen nach Zahlen“. Hört sich nach ’nem Kinderspiel an, ist aber in der Erwachsenenvariante absolut pfriemelig und ab und an nervig – trotzdem habe ich mein erstes Meisterwerk vollenden können. Das nächste folgt wohl im Dezember.

Ganz sicher springt die Uhr am 1.1.2021 nicht auf „Upsi, jetzt ist alles gut“, aber trotz allem sehe ich dem nächsten Jahr hoffnungsvoll entgegen.
Nach all dem, was mir dieses Jahr passiert ist, weiß ich, dass ich stärker bin als ich selbst ahnen konnte und es kaum etwas gibt, was ich nicht schaffen kann. Und damit lässt es sich doch wirklich mehr als positiv nach vorne schauen: „Life begins at the end of your comfort zone“.

Autor: dierennschnecke

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