Mein New York City Marathon

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Wie soll man Worte finden für so ein episches, fantastisches, ja – fast unbeschreibliches Rennen? Immer noch absolut unglaublich, dass ich es tatsächlich getan und geschafft habe. 26.2 Meilen durch die fünf Stadtteile von New York City – eine einzige Marathon-Party…

27.10.19

Die letzten Vorbereitungen liefen, der Flug nach NYC stand kurz bevor. Dass wir mit Laufklamotten in die USA reisen, ist selbstredend, doch genauso wichtig sind Klamotten zum warm halten und wegwerfen, denn es würde ca. 3 Stunden dauern, in denen wir auf den Start warten müssen – alles im Freien. Bisher sah der Wetterbericht fantastisch, aber kalt aus. Also packte ich noch aussortierte Kleidung für vor dem Start und warme Klamotten für den After Race-beutel ein. Dazu noch Decken, Mini-Schlafsäcke und Thermo-Sitzunterlagen. Der Koffer ging zu, war nicht zu schwer – es konnte los gehen!

31.10.19

Abflug. Von Frankfurt aus ging es nach Newark in New Jersey. Wir hatten dort ein Hotel gebucht, da günstiger. Marcus und ich waren bereits zweimal in New York gewesen, also konnten wir auf einige touristische Highlights verzichten, sollte es uns zu stressig werden. Immerhin hatten wir eine 42km-Sightseeing-Tour vor uns. Gebucht hatten wir unseren Startplatz über Ali Schneider Marathonreisen

Und um es vorweg zu nehmen: von Anfang bis Ende war die Reise super organisiert. Wir hatten noch einen Transfer dazu gebucht, der eigentlich nicht im Paket enthalten war – Carlos fuhr uns zuverlässig ins Hyatt Place Hotel nach Secaucus. Dort wurden wir von unseren Reiseleitern Kay und Luke in Empfang genommen. Sie erklärten uns die kommenden Tage, zeigten uns die Infotafel, informierten uns über die morgentlichen gemeinsamen Läufe. Nachdem wir eingecheckt hatten (es war bereits abends um 18 Uhr) ging es um die Ecke in ein australisches Steakhouse, weil Melting Pot und so 🙂

1.11.19

Marcus war morgens mit der Gruppe laufen, ich selbst verzichte auf gemeinsame Läufe lieber. Die machen mir wenig Spaß, denn oft sind sie, wie eben jener, mit „gemütliche 5km in 30 Minuten“ angekündigt…Geht irgendwie (wenn ich Glück habe und flotte Beine), aber sicher nicht gemütlich vor einem Marathon. Aber gute Selbsteinschätzung ist eine Voraussetzung fürs Marathonlaufen, also machte mir die halbe Stunde länger schlafen wenig aus. Unser Hotel hatte, anders als in Manhattan üblich, Frühstück im Angebot. Also ab zu Bagels und Frischkäse, Rührei und Toastbrot.

Danach ging es mit der Gruppe gleichgesinnter Verrückter (im positiven Sinn des Wortes!) auf die Marathonmesse nach Manhatten. Luke sorgte dafür, dass das ganze noch mit einem Fotostopp am Empire State Building und einem weiteren Stopp an der High Line verbunden wurde.

Auf der Marathonmesse angekommen war alles extrem gut organisiert. Keine Schlangen bei der Bib-number-Ausgabe, die Finisher-Shirts bekam man genauso schnell. Danach hieß es ab ins Getümmel und die Kreditkarte glühen lassen, es gab ein riesen Angebot an Marathon-Merchandise. Klar, ein riesen Geschäft, aber weil once in a lifetime: yolo (oder so ähnlich).

Danach ging es für Marcus und mich noch zu Fuß in Richtung Times Square. Schon als ich damals das erste mal dort war, erschlug mich das Gewusel fast. Dieses mal wusste man, was auf einen zu kommt, dennoch ist New York immer noch unendlich faszinierend und facettenreich. nach fast sechs Stunden auf den Füßen beschlossen wir, dass das reichte, es kommen ja noch einige am Sonntag dazu 🙂

2.11.19

Der wichtigste Termin an diesem Tag, neben einigen kleinen touristischen Erkundungsumwegen, war das Race Briefing des Reiseveranstalters im Skyline Hotel. Hier wurde uns ausführlich das Prozedere am Raceday erklärt. Startareal, Corrals, Versorgung im Startbereich, Therapiehunde, was darf man in das Start Village mitnehmen, wann ist Abfahrt, Ablauf nach Erreichen der Finishline, und und und…wir waren nun gut mit Infos eingedeckt und konnten uns in aller Ruhe auf den morgigen Raceday freuen.

3.11.19 – RACEDAY NEW YORK CITY MARATHON

(Das klingt immer noch so unglaublich, dass ich es unbedingt dazu schreiben möchte 😉 )

Für uns aus New Jersey ging es um halb sieben los in Richtung Ford Wardsworth auf Staten Island. Der Transport per Bus verlief reibungslos, schon per motoriesiertem Gefährt war der Weg über die Verrazano Narrows Bridge ein Erlebnis! Vor Einlass in dsa Startvillage musste man durch eine Sicherheitskontrolle, nur was in den durchsichtigen Racebeutel ging, durfte mitgenommen werden. Im Village selbst gab es alles, was das Läuferherz begehrte. Ein sonniges Plätzchen, Therapiehunde, Frühstück, Kaffee, Tee, Wasser, Waffeln. So gingen auch die knapp drei Stunden bis zum Start recht schnell und nicht allzu kalt vorbei und ehe wir es uns versahen standen Marcus und ich in unserem Startkorridor, der auf der unteren Ebene der Brücke startete.

Nach der amerikanischen Nationalhymne und zu Frank Sinatras „New York, New York“ wurden wir auf die Reise geschickt. Wahnsinn. Gänsehaut. Die letzte Startwelle setzte sich in Bewegung und machte sich auf den Weg durch die 5 Stadtteile Staten Island, Brooklyn, Queens, Bronx und Manhattan.

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Skyline

Jeder, der behauptet, kein Zeitziel zu haben, hat ja aber irgendwo doch eins. Schon alleine aus praktischen Gründen: auch um nicht zu überpacen, muss man ja wissen, wie schnell man höchstens laufen darf. Außerdem hatten Marcus und ich uns absprechen müssen, da wir jeder für sich liefen und er ja ungefähr wissen wollte, wann ich ankomme. Mein Plan war also, den ersten Halbmarathon in 3 Stunden anzugehen, danach würde das Motto „mal schauen“ zum Tragen kommen.

Die drei Stunden traf ich ziemlich genau – sie gingen tatsächlich und dank der Unterstützung der mega hammer genialen (sorry für den Ausdruck) Zuschauer und Supporter sehr schnell vorbei. tatsächlich schaute ich nicht auf die Paceangabe meiner Uhr, hörte auf mein Gefühl und orientierte mich an den Meilenschildern. Mir war zu Beginn des Laufs schwindlig, meine Beine waren wie aus Gummi und ich hatte das Gefühl, dass wenn ich stolpern würde, ich einfach liegen bleiben würde. Unschön. Also ignorieren, gut versorgen und ab und an den Puls im Blick behalten. Ich mag den Spruch nicht, aber ein DNF war hier einfach keine Option (bzw. nur die allerallerallerletzte!!)

Es ging mir zwischenzeitlich wieder besser, auch dank der fantastischen Streckenverpflegung. Am Meile 3 gab es jede Meile eine Versorgungsstation mit Wasser, Isodrinks, Medicals (die einem Vaseline reichten, falls nötig). Wahnsinn, was hier auf die Beine gestellt wurde: auch an der Strecke konnte man bei Bedarf Therapiehunde streicheln, Running Clubs hielten den Läufern Blackrolls und Massagetools hin, Fremde reichten uns Tempoboxen, manche hatten Bananen gekauft und hielten sie uns hin. Wahnsinn, auch wenn ich mich wiederhole. Ein Support ohne gleichen. Eine Lautstärke ohne Gleichen. „You got this!“, „Way to go!“, „Keep running“, „Great job, runners“. Stundenlang schrien sich die New Yorker die Hälse wund, egal wie schnell oder langsam das Läuferfeld war. Es war eine einzige Party. Brooklyn hatte für Gänsehaut gesorgt, die richtige Party mit fettem Bass gab es dann nochmal in Harlem und in der Bronx.

Läuferisch war ab der Queensboro Bridge (ja, die fiese bei KM25) weniger Party. Die zweite Hälfte in New York kostet mehr als nur ein bisschen Kraft, die Strecke hat ein ordentliches Höhenprofil, grade im zweiten Halbmarathon. Bei KM27 holte ich mir Support bei Kay und der Anfeuerungstruppe von AS Marathonreisen, sie machte mir Mut und weiter ging es. Einigermaßen. Bis bei KM32 dann wiederholt walken angesagt war, denn mein Kreislauf war eine Bitch. Und so ging es langsam, aber sicher (letzteres war die Hauptsache!) in Richtung Central Park und den letzten welligen Meilen.

Diese zogen sich wie amerikanischer Kaugummi, man konnte die Finishline hören und – da es bereits dunkel war – auch sehen. Hell beleuchtet, eine riesen Party. Selbst auf den Hügeln abwärts wollten meine Beine nicht mehr. Aber dann kamen die Schilder: 800m, 600m, 400m….und die Finishline. nach 6:43:00 war ich im Ziel des New York Marathons. Un-Fucking-fassbar.

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Viel zu platt für ein Foto gibt es nur eins aus dem Hotel 🙂

Eine nette Helferin überreichte mir meine Medaille und umarmte mich und dann ging es auf nicht wirklich kurzen Weg durch den Central Park. Man bekam einen Poncho, eine reichhaltige Versorgungsbag mit vielen Getränken und konnte sich dann den After Race Beutel abholen. Leider war meiner nicht mehr auffindbar, was bei mir und den Helfern für Verwirrung sorgte. Bis Marcus auf einmal vor mir stand und mir die Bag gab – er hatte sie tatsächlich von den Helfern bekommen (und ich seine SMS „warte am Bahnhof“ = „warte an den Bags“ nicht verstanden…Autokorrektur ftw.). So konnten wir unseren Erfolg zusammen feiern und langsamen schleichenden Schrittes (der verdiente Walk of fame) ging es mit Uber und Bus zurück ans Hotel. Dort hatte das AS-Team einen gemeinsamen Umtrunk mit Snacks und Getränken organisiert, wir trafen all die anderen stolzen Marathonis und konnten gemeinsam feiern.

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Course

Tatsächlich war ich mit Verlauf und Zeit nach meinem gesundheitlichen Pech im Sommer und der nicht so optimalen Vorbereitung sehr zufrieden. Fürs erste wird New York mein letzter Marathon gewesen sein. Toppen kann das eh nichts, und vielleicht gehe ich die Strecke mal wieder an, wenn ich realistischerweise schneller sein könnte.

4.11.19 – Medalmonday und ab nach Hause 

Am nächsten Tag stand für uns schon der Rückflug an – leider waren keine Urlaubstage mehr über für eine Verlängerung der Reise. Aber man kann ja nicht alles haben. So ging es nochmal in die City, ein paar Erinnerungsfotos schießen, die Medaille zeigen und sich von Fremden beglückwünschen lassen. Später fuhr uns Carlos dann zum Flughafen, auch hier waren die Finisher an Gang und Medaille erkennbar.

Es war ein tolles, fantastisches Erlebnis, super organisiert von AS Marathonreisen. Eine Party, die das Laufen, den Marathon und diese einzigartige Stadt feiert: New York, New York.

 

Marcus‘ Bericht findet ihr hier

(Der Beitrag kann durch Nennung und Verlinkung Werbung enthalten)

Autor: dierennschnecke

Rennschnecke und Historikerin aus Leidenschaft 5k - 42k & SD - MD

8 thoughts

  1. Nochmals Herzlichen Glückwunsch zum tollen Marathon!
    Es freut uns wenn wir euch geholfen haben den Marathon zu dem zu machen was er ist, ein unfassbares Erlebnis!

    Liebe Grüße an euch beide.
    Luke

    Gefällt 1 Person

  2. Super Bericht, Glückwunsch 👍 👍 👍. Meine Erinnerungen vom 4.11.2018 sind wieder da und automatisch kommen wieder die Glucks-Tränen in die Augen. Vielen Dank und alles Gute für die Zukunft, Grüße Adam

    Gefällt 1 Person

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