If I can make it there…Mein Weg zum New York City Marathon

Das war es also, der letzte Longrun. Drei Stunden. Damit ist das Tapering für den New York Marathon offiziell eingeläutet. Sehr wenig habe ich in dieser Zeit über meinen Weg in Richtung Big Apple berichtet. Einige wissen, wieso, für alle anderen folgt die Erleuchtung nun im folgenden Beitrag.

Rückblick, Neujahr 2018-2019

Nein, es war keine Schnapsidee. Wohl eher eine Sektidee. So hatten Freund Triathlet un ich am zweiten Tag des neuen Jahres unser Highlight für eben dieses festgelegt: die Teilnahme am New York City Marathon! Eigentlich wollte ich nach Frankfurt 2017 keine 42,2km am Stück mehr laufen, aber nur zum Zuschauen wollte ich natürlich auch nicht nach New York fliegen.

Rückblick, Juli 2019

Ich werde ihn sicherlich nicht so schnell vergessen, diesen Moment. Mit starken Schmerzen im Schienbein war ich an einem Donnerstag zum Arzt gegangen. Einige Untersuchungen und Bluttests später kam am selben Nachmittag ein Anruf. Es war einer dieser Momente, der sich, obwohl er nur Bruchteile eine Sekunde dauerte, eine Ewigkeit in die Länge zog. „Wir müssen sofort handeln.“, hallten die Worte des Arztes am Telefon nach. Es war einer dieser Momente, in dem das Innerste brach liegt, und man in einer Zehntelsekunde eine Entscheidung zu treffen hat: Kampf oder Flucht. Gemeinsam mit einem vorhergehenden Langstreckenflug zeigten die Blutwerte in eine Richtung: TVT. Eine Thrombose der tiefen Beinvenen, eben provoziert durch einen langen Flug sowie die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel (hierzu mehr auf risiko-pille.de ) Ich traf innerhalb dieser Sekundenlangen Ewigkeit die Entscheidung, meine aufkommenden Tränen hinunter zu schlucken und alles zu tun, jede Entscheidung der Ärzte zu akzeptieren, um wieder gesund zu werden. Denn: Lungenembolien, eine häufige Komplikation bei Thrombosen, führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Tod. Krankenhaus, Heparin, Untersuchungen, Stützstrümpfe, Blutverdünner und mächtig viele blaue Flecken waren nun meine Welt. Und Unsicherheit. Konnte mein Körper doch eine eigentlich so ganz grundsätzliche Funktion nicht mehr aufrechterhalten. Ich hatte anfangs sehr zu kämpfen, hatte Herzrasen, dachte bei jedem Kopfschmerz und Zucken im Brustkorb: „Das war´s!“. Wie sollte da eine Marathonvorbereitung funktionieren?

 

Rückblick, August 2019

Ab nun eben ständige Begleiter, auch beim Sport: Stützstrümpfe. Schwimmen und Einheiten auf der Radrolle waren recht schnell wieder erlaubt, und so konnte ich zum einen meine Fitness recht gut erhalten und zum anderen, viel wichtiger, mir langsam wieder Vertrauen in meinen Körper erarbeiten. Ich begann, langsam wieder zu laufen, an eine strukturierte Marathonvorbereitung war aber nicht zu denken. Das machte mir nichts, denn wenn nötig, würde ich den Marathon in New York walken – doch auch dafür war eben eine nicht ganz unerhebliche Fitness nötig. Dennoch war ich im August höchstens 8 Kilometer am Stück unterwegs, das erste Mal 10 Kilometer lief ich wieder im September.

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Auch bei warmen Temperaturen: Stützstrumpf am Start

Rückblick, September 2019

Mit ebenso nicht ganz optimaler Vorbereitung ging es zwei Monate nach dem Flug, der mir die Thrombose verpasst hatte, an den Start des Halbmarathons in Karlsruhe. Ankommen, Puls unten halten, die Strecke genießen war die Devise. Und wie sie funktionierte! In meinem zehnten Halbmarathon konnte ich recht locker meine drittbeste Zeit und meine schnellste Zeit in Karlsruhe abliefern. Wie? Keine Ahnung. Eigentlich möchte ich das auch gar nicht wissen, ich lief einfach. Gut zehn Tage vor dem Halbmarathon stand traditionell der 10 KM-Lauf beim Stadtwerkelauf, auch in Karlsruhe auf dem Plan. Es ging langsam, aber sicher, in die richtige Richtung: der HM in Karlsruhe war der erste Longrun, weitere folgten, immer nach dem Tipp, den mir Arne Gabius 2017 in der Vorbereitung für Frankfurt gab: kein Longrun über drei Stunden, den Verletzungsrisiko und Nutzen stehen ab dieser Dauer in keinem Verhältnis mehr.

 

Heute, Oktober 2019

Das war er also nun, mein letzter Longrun und insgesamt die Kilometer-intensivsten 7 Tage. Denn vergangenen Sonntag waren Freund Triathlet und ich in München beim Halbmarathon am Start. Trotz erschwerter Bedingungen (lange Ironman-Hawaii-Nacht, eine sehr laute Travestieshow in unserem Hotel, Dolly Dollar am Frühstücksbuffet, wärmere Temperaturen als erwartet) lief es auch hier getreu dem Motto: läuft. Schon ab KM6 merkte ich: oi, ne, das wird lang. Bei KM9 war das dann eindeutig, bis ich mich bei KM17 wieder gefangen hatte und den wirklich schönen Zieleinlauf ins Olympiastadion genießen konnte.

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So langsam kommt die Sicherheit wieder

Nun steht die schwerte Phase des Marathontrainings an: das Tapern. Ich merke schon, wie ich anfange, den Wetterbericht für New York zu checken, im Kopf arbeite ich an meiner Packliste. Eine Zielzeit für New York gibt es nicht, ich weiß, dass es einen 6Std-Pacer gibt, an den ich mich wohl hängen werden. Ich bin wahnsinnig gespannt auf das Laufen im Big Apple, zwei mal war ich bereits dort. Ich bin wahnsinnig gespannt auf das Back of the Pack-Lauferlebnis in der USA. Die Vorbereitung war nicht perfekt, für mich unter den Umständen einer Thrombose-Erkrankung war sie das dennoch allemal. Ich habe alles gegeben, was ich konnte.

 

Für alles hier geschriebene gilt: ich bin in ärztlicher Behandlung. Punkt.

 

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Autor: dierennschnecke

Rennschnecke und Historikerin aus Leidenschaft 5k - 42k & SD - MD

2 thoughts

  1. Liebe Christina! Ich wünsch dir alles Gute für den Marathon und dass du jeden Kilometer genießen kannst. Auch wenn das Zwischentief kommt, immer an den Zieleinlauf denken, dann kann eigentlich nix passieren 😉 LG Astrid

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