Frankfurt, du warst groß!

Nach meiner misslungenen Luxemburger Episode stand ich vor der Frage: nochmal eine Mitteldistanz angehen in 2018, oder Selbstvertrauen auf kürzeren Distanzen aufbauen und nächstes Jahr nochmal die MD angehen. Für letzteres habe ich mich entschieden, weil ich mir nicht sicher war, wie schnell ich nach Luxemburg gesundheitlich wieder fit werde. Das Training für die MD hatte ich ja absolviert, auf die Distanz und die Dauer war ich also vorbereitet. Aber mit Jobwechsel, Urlaub, Geburtstag und Gesundheit dachte ich mir: lieber ein, zwei kürzere Distanzen mehr – bringt auch mehr Spaß.

So ging es nach der Sprintdistanz in Stutensee vor vier Wochen Anfang Juli nun am ersten August-Wochenende in meine Lieblings-Sportstadt Frankfurt. Ich hatte beim Frankfurt City Triathlon recht spontan über die Olympische Distanz gemeldet. Also hieß es: 1,5km Schwimmen, 45km Radfahren und 10km Laufen in nicht wirklich kühlen Temperaturen absolvieren. Schon samstags auf der Hinfahrt wurden das Wetter und vor allem die Temperaturen zunehmend angenehmer – es regnete und gewitterte heftig. Alles andere als unangenehm waren auch die Aussichten für Sonntag: nur noch knapp über 30 Grad. Ich wollte schon fast die Armlinge auspacken.

Deutlich unangenehmer waren zu dem Zeitpunkt der Stau in Richtung Langener Waldsee sowie das leichte Chaos in der ewig langen Wechselzone am See. Zwar gibt es Shuttlebusse und auch per Bahn die Möglichkeit zwischen City und Waldsee zu pendeln, ich war dennoch sehr froh um den Support von Freund Triathlet, aufgrund dessen ich mich um vieles nicht kümmern musste

 

Zunächst waren wir etwas negativ überrascht ob der Organisation am Waldsee. Es waren halt aber auch einfach vier Distanzen (Jedermann, Sprint, Olympisch und Mittel), über die gestartet wurde, so dass ich von der schieren Größe der Wechselzone, der in meinem Fall nicht ganz logischen Einteilung des Radplatzes sowie falscher Beutelfarben etwas überfordert war. So musste Freund Triathlet auch etwas länger warten. Endlich ging es dann aber zum Hotel nach Mörfelden, am All-you-can-eat-Buffett konnten wir uns stärken und dann hieß es ausruhen vor dem morgigen Tag.

Los geht’s – mit einigen bekannten Gesichtern

Schwimmen im Langener Waldsee. Näher werde ich dem Ironman Frankfurt wohl nie kommen. Eine ziemliche Badewanne war das, der Neo war zu Hause definitiv besser aufgehoben. Ich präparierte mein Bike, checkte nochmal die Wege, traf ein paar bekannte Instagram-Gesichter und schon war es Zeit für’s Einschwimmen. Etwas unkoordiniert war auch die Aufstellung für das Schwimmen, anscheinend starteten auch viele der schwächeren Schwimmer weiter vorne, um dem Cut-Off zu enteilen. Für mich eigentlich ein Unding, und so stand ich im letzten Drittel des Feldes, das sich kaum bewegte. Also auf die andere Seite des Knubbels aus blauen Badekappen und schon ging es schneller.

 

Sobald ich im Wasser war, fing der Tag an grandios zu werden. Und es steigerte sich von Disziplin zu Disziplin. Dadurch, dass die Schwimmer in Bezug auf die Leistung durcheinander starteten, wurde ich überholt, überholte aber auch selbst. Etwas unrhythmisch war der Anfang des Schwimmens dadurch.

Ich selbst hatte dann das Gefühl, dass es richtig gut lief, bis mir nach der zweiten Wendeboje auf den letzten ca. 650 Metern der Wind dermaßen die Wellen in die – Entschuldigung – Fresse schlug. Ich kam mir vor wie bei einer Ärmelkanalüberquerung. Etwas erschrocken schaute ich dann auf meine Schwimmzeit von 40 Minuten. Da haben Wind und Wellen wohl doch stärker gebremst als gedacht, denn definitiv drin war eine Schwimmzeit von um 35 Minuten. Aber das ist halt Freiwasserschwimmen.

Bekanntermaßen ist die Wechselzone am Langener Waldsee gefühlt ewig lang und so konnte ich meine Skills im Radschuh-Laufen trainieren.

Von Wind und Main

Auch auf dem Rad war der Wind recht unangenehm, denn grundsätzlich kam er auf beiden Radrunden immer von vorne. War ja klar.

 

Trotz meiner Schwimmzeit startete ich auf die Radstrecke in einer größeren Gruppe und konnte auf dem Weg in die Frankfurter City gut mithalten. Schön zu sehen in Kurven: alle mit Abstand zum  Vordermann/frau. Sehr schön, 1 mit Sternchen. Spektakulär war der Blick, den man ab und an auf die Frankfurter Skyline erhaschen konnte. Kurz vor dem Beginn der ersten Radrunde ließ ich abreißen. Aber das passte: die schnelleren Starter waren auf der zweiten Radrunde und so konnte man sich immer wieder motivieren, doch weiter zu treten.

Die Radstrecke folgt nach dem Abschnitt am Mainufer hier der Strecke des Marathons, Schwanheimer Brücke, Mainzer Landstraße – ein großes Deja vu. Bis KM40 lief es klasse, danach wurde mir irgendwie übel. Ich konnte mein Gelzeugs kaum noch trinken – vielleicht etwas zu gut versorgt. Mein Schnitt rauschte in den Keller. Jap. Notiz an mich: man kann sich sehr gut auf dem Bike abschießen, ohne es zu merken. Egal, die letzten 5km gingen auch noch rum, ich fuhr gewollt und deutlich langsamer. Irgendwie schienen mir 10km Laufen eine recht dumme Idee. Wenn ich mich im Wechselzelt setze, würde ich nicht mehr aufstehen, da war ich mir sicher. Endlich kam ich an der Wechselzone an, ganz gemütlich schob ich mein Rad an den mir zugewiesenen Platz, schnappte mir meinen Beutel und wackelte in Zeitlupe ins Zelt. Freund Triathlet wartete schon zuvor an der Wechselzone und feuerte mich an.

Im Wechselzelt beschloss ich mit einigen anderen, dass Schwimmen jetzt die deutlich bessere Idee sei. Naja, nicht weit bis zur ersten Versorgungsstelle.

…and I would walk 500 miles

Da mir immer noch nicht wirklich gut war, begann ich die 10 KM gehend, schüttete mir Wasser aus meiner letzten Radflasche, die ich mitgenommen hatte, über den Kopf und nahm erstmal eine Salztablette. An der Versorgungsstelle angekommen gab es nochmal Wasser und eine kalte Dusche. Das tat unsagbar gut. Ich ging weiter, fing wieder an zu laufen, ging, lief. Das etwa auf den ersten anderthalb KM. Dann ging es kurz bergab, ich lief wieder an und ab da lief es. Auch hier waren noch genug Athleten auf ihrer letzten Runde unterwegs, so dass ich immer Gesellschaft hatte. Auch von einem Athleten, der immer wieder ging, dann anlief…Kurz vor der Passage durch die Zeil überholte er mich wieder laufend, schrie auf und ging zu Boden. Krämpfe. Aua. Fiese Sache, weiß ich nach Luxemburg. Also sein eines Bein geschnappt und mit einer weiteren Athletin, die sein anderes Bein hielt, versucht, die Krämpfe zu lösen. Sie hatte etwas Angst um ihren Cut-off, also übernahm jemand anderes, sie lief los und sagte im Ziel jemanden Bescheid. Das Paar, das hinter mir lief, hielt an, gab dem Athleten Salztabletten und Wasser. Ein Athlet, der schon gefinisht hatte und vorbei kam, kümmerte sich weiter, eine Dame des Organisationsteams war auch schon da, so dass auch ich meinen Weg fortsetzte.

Ab KM 7 hatte ich Begleitung. Per Rad. Dadurch, dass mich das Paar zuvor überholt hatte, war ich nun die letzte Läuferin auf der Strecke. Ich kam mir aber durch die Radbegleitung vor, wie die Erstplatzierte. Das war brutalst motivierend und ich splittete negativ like a boss. 2 km vor dem Ziel kam dann auch noch ein Polizeimotorrad hinzu, mit Blinklicht, durch die Zeil, bis zum Ziel.

Ich finishte als Letzte in 4:08:32. Aber: alles eine Frage der Perspektive. Ich war zwar die letzte Läuferin, allerdings nicht die letzte in den Ergebnislisten – denn beim Schwimmen starteten einige der ähnlichen Geschwindigkeitskategorie weit vor mir. Glücklicherweise, denn das Erlebnis mit der Eskorte war ein geniales.

Etwas ausbaufähig in der Organisation (keine Medaillen, kein Bier im Zielbereich, Glas auf der Radstrecke, mein Rad in nem Ameisenhaufen in der Wechselzone, beim morgendlichen Check-in wurden die Athleten der MD etwas blockiert), bleibt dennoch folgendes zu sagen:

Frankfurt, du warst mal wieder groß! Danke an die netten Helfer, die bei Fragen immer weiter halfen, die unermüdlich versorgten, motivierten, Danke an die vielen Zuschauer, die in mir die Athletin sahen und mich nicht bemitleideten, weil ich Letzte wurde – denn das ist für mich nicht schlimm, wenn ich mit allem anderen zufrieden bin. Ich wollte nicht bloss finishen und konnte vieles, was ich mir vorgenommen hatte, umsetzen. Danke auch an Freund Triathlet für den Weltklasse Support – welcome to my world.

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Verfasst von

Rennschnecke und Historikerin aus Leidenschaft 5k - 42k & Triathlon Newbie

8 Kommentare zu „Frankfurt, du warst groß!

  1. Hallo Rennschnecke!
    Toller Bericht. Ich bin am 12.08. auch beim Summertime Triathlon und meine Freundin macht ihren aller ersten Triathlon. Vielleicht sehen wir uns ja.

    Liebe Grüße Boris und Julia

    Gefällt 1 Person

  2. Bäääm! Du hast gerockt und wir sind echt stolz auf dich!
    Deine Einstellung ist bewundernswert und phänomenal.
    Hat uns gefreut, dich anfeuern zu dürfen und dich kennen gelernt zu haben.

    Kathi, Isa und ich wünschen dir eine gute Regeneration und bis bald 🙂

    Gefällt 2 Personen

  3. Hallo,
    wieder mal ein toller Bericht von Dir.
    Werde am Sonntag mein Debut auf der OD in Karlsdorf beim Summertime geben.
    Habe keine Ziel zeit festgelegt ich will nur ankommen und Spaß haben 🙂
    Vielleicht seht man sich

    Gruß
    Klaus

    Gefällt 1 Person

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