Mein erster Marathon

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Ich weiß gar nicht, wie viel Zeit vergehen muss, bis ich verstehe, was da gestern in Frankfurt passiert ist. Also kann ich meinen Bericht dazu auch einfach jetzt schreiben. Ihr seht es mir nach, sollte er etwas konfus und emotional werden.

Part One – Samstag

Die Woche bis zum Marathon verlief ziemlich stressig: Viele Termine, später nach Hause kommen als gedacht, vor Aufregung nicht schlafen können, dauernd das Gefühl haben, krank zu werden. Ich war so froh, als das Marathonwochenende endlich da war und Freund Triathlet und ich uns nach Frankfurt aufmachten.

Den Wetterbericht hatte ich unter der Woche sehr oft gecheckt, in Frankfurt angekommen war es halt einfach so, dass es recht windig werden sollte – egal, daran ändern kann man nichts. Einfach das Beste draus machen. Zuallererst ging es natürlich auf die Messe. Den Trubel kannte ich von letztem Jahr glücklicherweise schon. Wir holten unsere Startnummern ab, die Shirts und Starterbeutel. Gemütlich schlenderten wir über die Messe, danach ging es zum Mövenpick Hotel.

Ich hatte das Glück, als eines von 6 Marathongirls im diesjährigen Programmheft vorgestellt zu werden. Alex, der Pressesprecher des Veranstalters, hat uns Mädels ins Pressezentrum eingeladen. Er wollte uns die Möglichkeit geben, uns kennen zu lernen, daneben durften wir uns auf der Dachterrasse des Hotels bei einem Fotoshooting austoben. Eine willkommene Ablenkung von der Aufregung!! Die Mädels waren total nett, lustig, entspannt. Wir machten uns gegenseitig Mut für Sonntag. In der Lobby des Hotels trafen wir auf Arne Gabius, der sich Zeit nahm für ein Foto mit uns.

Abends waren Freund Marathoni und ich dann noch mit Marcus‘ Laufkumpel Christoph beim Italiener – ein Glück hatten wir reserviert, denn es bildete sich schnell eine Schlange hungriger Marathonis plus Anhang vor dem Restaurant.

Dann hieß es zurück ins Hotel, das direkt gegenüber der Skyline Plaza lag, und versuchen, die Nacht hinter mich zu bringen.

 

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Es ist angerichtet!

 

Part Two – Sonntag

Einigermaßen ausgeruht wachte ich auf, beim Frühstück war mein Appetit glücklicherweise da und so stand ich kurz vor 10 gestärkt im Startblock 6 ziemlich am Ende des Feldes. Noch ein kurzer Schnack mit Bekannten – auch von Instagram – und dann ging es los.

Von Anfang an lief ich alleine. Bei diesem Wetter keine einfache Aufgabe. Es war windig mit teilweise starken Böen. Ich wollte daran aber keinen Gedanken verschwenden und einfach nur laufen. Orientieren wollte ich mich an einer eventuellen Zielzeit von etwa 5:45 Stunden – aber nicht auf Biegen und Brechen. Ich merkte schon zu Beginn, dass das schwer werden würde. Noch vor Kilometer 10 traf uns eine derartige Böe, dass man sich quasi schräg gegen den Wind lehnen musste und mir die Augen tränten vor lauter Wind.

Blöderweise kam mein Einbruch schon recht früh, noch vor der Halbmarathonmarke wurde es mental echt schwer. Total entnervt hat mich der Wind bei der Mainbrücke und auf dem Stück danach. Ich nahm Tempo raus und trabte weiter. Ich war darauf vorbereitet, dass es zwischenzeitlich hart werden könnte. Aber auch darauf, dass es wieder besser werden würde. Und das wurde es. Nach der Halbmarathonmarke versorgte ich mich an jeder Verpflegungsstelle gehend – bloß genug Energie tanken! Bei KM25 entschied ich mich, ein Stück walkend hinter mich zu bringen – ich war nicht wesentlich langsamer, sparte aber Körner. Ich hatte einen Wahnsinns-Respekt vor dem Teilabschnitt ab KM30. Die Taktik erwies sich als goldrichtig. In Richtung Höchst und Nied lief es wieder lockerer (nicht schneller), obwohl es dort vom Wetter her mit Wind und Regen am schlimmsten war. Mein Walking-Taktik wandte ich nochmal zu Beginn der Mainzer Landstraße und im Gallusviertel an (ca. KM 30 und 35). Nicht, weil die Ausdauer nicht gereicht hätte. Es war einfach so, dass ich hierdurch Körner sparen konnte und dennoch schnell wieder am Laufen war. Wenn man keine Mitläufer hat, an denen man sich orientieren kann, muss man sich etwas anderes überlegen. Zwei Mal konnte ich mich mit Mitläufern kurz unterhalten: einmal bei KM24 mit einer jungen Dame, dann auf der Mainzer Landstraße mit der Frankfurter Legende Kalli Flach. Ansonsten war ich komplett alleine unterwegs. Was mich aber selbst im Nachhinein am meisten überrascht hat: Ich habe kein einziges Mal ans aufhören gedacht. Ich wollte diesen Zieleinlauf erleben. Punkt.

Ich kam mir zwischenzeitlich vor wie ein Sport-Geher, immer die Arme am Mitnehmen, um nicht nur mit den Beinen zu arbeiten. Das Hüftwackeln sah sicher auch grandios aus. Ich kam so aber immer wieder schnell in einem Laufschritt und hatte nicht das Gefühl, neu anlaufen zu müssen. Laut Aufzeichnungen habe ich gesamt etwa 4-5 Kilometer so absolviert.

Ab Kilometer 30 wurde es einfacher für den Kopf, denn das Runterzählen machte nun endlich Sinn.  Bei KM39 in der Innenstadt nochmal gewalkt. Über das Kopfsteinpflaster. Seit ich zwei mal den Freiburger Halbmarathon gelaufen bin, weiß ich, wie viel Kraft mich das kostet. Und auch zwischen den Häuserschluchten zog es ordentlich. Ich war mir immer noch nicht sicher, dass ich es packe. Erst als ich am Kilometerschild 41 vorbei lief, wurde es mir klar: Ich laufe gleich in die Festhalle!! Die ersten Tränen liefen und ich war völlig geflasht, wie viele Menschen auf und neben der Strecke mich unterstützten, mir zuriefen, mich anfeuerten.

Der letzte Kilometer flog (als der zweitschnellste) an mir vorbei, ich sah den Messeturm, dann den Hammering Man und wusste: gleich bin ich zu Hause. Ich lief in die Festhalle, war nur noch am Jubeln und alle Dämme brachen. Freund Marathoni hat auf mich gewartet, gemeinsam gingen wir in den After-Race Bereich. Tränen gab es nochmal, als ich die Medaille bekam. Ich habe meinen ersten Marathon in 6:18:04 gefinisht.

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Mir ist es völlig, aber auch völlig egal, welche Zeit am Ende auf meiner Uhr steht. Das ist nur ein subjektiver Wert, der uns unterscheidet. Der objektive, der alle Finisher eint, sind die 42 absolvierten Kilometer (laut Uhr sogar 43,5). Ich fand es unglaublich toll, wie viele bekannte Gesichter ich endlich mal live sehen konnte. Genauso unglaublich schön fand ich die Motivationen vom Streckenrand in verschiedenen Sprachen, die Begegnungen auf der Strecke, die Umarmungen, Menschen, die mich erkannt haben und mich anfeuerten – tausend Dank dafür!!!

Auch vielen Dank an Freund Marathoni, der mich in der Marathonvorbereitung ertragen musste. Seinen Bericht könnt ihr HIER nachlesen.

Noch in der After-Race-Zone sagte ich zu Freund Marathoni: „Ich will nochmal Festhalle!!!!“

It’s all about soul!!

Eure Christina

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Verfasst von

Rennschnecke und Historikerin aus Leidenschaft 5k - HM & Triathlon Newbie

17 Kommentare zu „Mein erster Marathon

  1. Vergiss die km auf der Uhr, das sind GPS-Fehler, die durch die Spiegelungen der Hochhäuser entstehen. So macht die GPS-Strecke doch manchmal recht große Bögen zur original gelaufenen Strecke. In Höchst ist es schon genauer. Ich hatte auf meiner Uhr 43,1km und als die Fehler bereinigt habe 42,38km. Glückwunsch zum Finish.

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    1. Also, ich hab ein paar Mal überlegt was ich dazu schreiben soll. Nun denn: ich bin zwar langsam, aber kein Laufanfänger und weiß, dass GPS ungenau ist. Aber das ist doch nicht das Relevante an meinem Bericht und eigentlich schei** egal – ich bin nen Marathon gelaufen 🤗💪💪

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  2. Was für ein schöner Blogpost – ich hab jetzt Gänsehaut. Ich folge dir ja schon fleißig bei Instagram und bin immer wieder motiviert durch deine Geschichte und deine Bilder. Und jetzt bin ich auch endlich mal hier gelandet. Ich freu mich total für dich, dass du es geschafft hast!

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