Hauptsache Ziellinie erreicht? – Der Halbmarathon im Bienwald

Dieses Jahr stand ich das erste Mal an der Startlinie des Bienwald Halbmarathons in Kandel. Der Rennbericht dazu ist schnell zusammen gefasst: Nach 2:42:50 war ich im Ziel. Ich hatte mir keine bestimmte Zeit vorgenommen, während der ersten 5 Kilometer hatte ich im Gefühl, dass 2:38 möglich wären, wenn alles gut ging. Das wäre also Plan A gewesen, Plan B kristallisierte sich auf den letzten paar Kilometern heraus: unter 2:45. Was mich  ehrlich gesagt mehr gewundert hat, waren die Reaktionen in den sozialen Medien, was meinen Post zum Lauf anging.

Ich war und bin zwar mit der erreichten Zeit nicht zufrieden, doch um Himmels Willen, das ist doch nicht schlimm! Daraus kann man doch tatsächlich auch etwas positives mitnehmen! So langsam wie ich laufe, kommt es auf ein paar Minuten hin und her nicht an. Viele Kommentare waren nett gemeint und sprachen davon, dass meine Enttäuschung zu verstehen sei, ich mein Krönchen richten solle, es doch toll sei, überhaupt ins Ziel gekommen zu sein. Ja, 21 Kilometer laufen ist ohne Frage eine Leistung, die zu würdigen ist. Aber ganz ehrlich ist es schon mein Wunsch, nicht in diesem Leistungsbereich zu bleiben, sondern mich kontinuierlich zu verbessern, wer weiß – vielleicht ist irgendwann einmal eine Zeit im Bereich 2:00-2:15 drin. Dafür muss ich a) noch einiges an Gewicht verlieren, b) stetig trainieren und c) motiviert bleiben. Ich brauche kein Krönchen zu richten, habe keine Enttäuschung zu überwinden. Es ist nicht schlimm, ein gestecktes Ziel nicht zu erreichen. Nur so kann man Fehler erkennen, das Training anpassen, motiviert bleiben. Mir das Ganze konstruktiv anzuschauen bringt mir mehr als mir einzureden, dass „Hauptsache, das Ziel erreicht“ als einziger Gradmesser relevant wäre. Ich bin übergewichtig, ich laufe langsam, aber ich möchte besser werden, etwas investieren, schauen, was geht. Nicht im Vergleich zu anderen, sondern im Vergleich zu mir. Es ist nichts Falsches daran zu versuchen, sich zu verbessern – solange man dabei eine gewisse Balance hält und es nicht zu verbissen angeht. Ansprüche als gesunde Motivation.

Training als Ferndiagnose

Völlig sinnfrei dagegen waren Hinweise zu meinem Training und wie ich es doch anders gestalten könnte, die mich auf Instagram erreicht haben. Krafttraining! Sollte ich doch unbedingt mit aufnehmen in mein Training. Denn das bringe ja mehr als lediglich zu laufen. Leider wusste die Person nicht, dass ich seit Dezember regelmäßig Triathlon-spezifisches Krafttraining absolviere. Mittlerweile lasse ich mich auch von einem Trainer unterstützen. Mehr gibt es zu meinem Training nicht zu sagen.

Der Weg ist das Ziel?

Nein. Für mich gilt eher, dass der Weg genauso viel Aufmerksamkeit verdient wie das Ziel. Beides bedingt sich. Beides ist wichtig.

Ich bin nicht das Pin-up-Girl der kugeligen Läufer, ich breche nicht zusammen, wenn ich ein Ziel nicht erreiche, sondern versuche, etwas positives dabei zu lernen. Und auch in meinem Leistungsbereich kann es durchaus sein, dass man Ansprüche, Wünsche, Vorstellungen bezüglich der eigenen (!!!!) Leistung hat. Immer in Bezug auf sich selbst, denn vergleichen kann man sich durchaus negativ. Das schleicht sich immer wieder auch im hinteren Bereich des Feldes ein: Fragen nach der vorgenommenen Zeit, Diskussionen was erreicht werden könnte.

Was man aber nicht vergessen sollte: Die größte Konkurrenz und der einzige Vergleich, der Sinn macht, ist der, der einen aus dem Spiegel anschaut.

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Verfasst von

Rennschnecke und Historikerin aus Leidenschaft 5k - HM & Triathlon Newbie

2 Kommentare zu „Hauptsache Ziellinie erreicht? – Der Halbmarathon im Bienwald

  1. Oft sage ich mir im Training oder auch Wettkampf, Hauptsache Ziel erreicht. Danach muss ich meist ordentlich durchatmen, nachdenken und anschließend mit dem Gelernten weiter machen. Ich finde es sehr schön, wie ich schon auf IG schrieb, dass du einen Plan B hattest. Das ist oft wichtiger, als verbissen an etwas festzuhalten, was entweder nur mit Schaden realisierbar oder eben doch gar nicht umzusetzen wäre. In diesem Sinne, herzlichen Glückwunsch zu deinem Finish, dass du gekämpft hast und so viel aus dem Lauf mitnimmst.

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    1. Ich finde, dass sich die Zielsetzung auch während eines Wettkampfes verändern kann (und darf). Was nicht schlimm ist und sehr oft mit Dingen, Einflüssen und Empfindungen zu tun hat, die wohl nur der betroffene Sportler selbst nachvollziehen kann. Genau aus dem von Dir beschrieben Grund, dass etwas nur mit Schaden realisierbar wäre. Ich finde es auch nicht schlimm, selbst wenn es bei mir nur mit Plan M geklappt hätte an Sonntag 😉 Ich möchte nur einfach die Chance nutzen zu lernen und mich zu verbessern. Es war ein Lauf in dem definitiv mehr drin war als lediglich die Ziellinie zu sehen. Aber ich verfalle nicht in Depressionen und möchte mich einfach innerhalb meiner Möglichkeiten weiter entwickeln. Ich hatte gerade auf IG das Gefühl, dass es gar nicht richtig ankam, dass ich wegen eines nicht erreichten Plan As überhaupt nicht frustriert war, anhand der sehr vielen, total lieb gemeinten Kommentare hätte man meinen können, ich würde nie wieder laufen wollen und ein Plan B würde mich total frusten 😉 Ne ne, ich hab doch noch so viel cooles vor in diesem Jahr! LG ☀️

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