Halbmarathon in Karlsruhe: DNF aber trotzdem happy.

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Baden Marathon in Karlsruhe 2.0. Heute war es soweit, die Rückkehr an den Ort meines ersten Halbmarathons. Perfekte Bedingungen gab es am Sonntag morgen in Karlsruhe, dazu wartete der Baden Marathon mit neuer Strecke und neuer Organisation des Start-/Ziel-Bereichs auf. Ich freute mich darauf, aber ich wusste schon vorher, dass es ein ziemliches Ü-Ei werden würde, mein Lauf heute.

Um neun Uhr ging es los, der Start der neuen Strecke befand sich hinter der dm-Arena in Karlsruhe. Kurze Anfahrt, kurze Parkplatzsuche (quasi gar keine) und 1 Minute Fußweg vom Parkplatz zum Start – einfach perfekt! Im vergangenen Jahr hatte ich eine etwas ungünstige Begegnung mit der radelnden Ordnungsamtsdame des Todes, die mich aus dem Rennen nehmen wollte, daher bin ich in diesem Jahr nicht ganz am Ende des Feldes starten. Also stand ich irgendwo in der Mitte und habe glücklicherweise keinen anderen Läufer genervt, sondern mich penetrant am Rand gehalten.

Ich habe mir für den Lauf nichts spezielles vorgenommen, in der letzten Zeit gab es neben dem Sport einiges an Stress, so dass ich nicht ganz wusste, wie ich drauf bin. Mein Befinden ist momentan eine echte Wundertüte und von Tag zu Tag verschieden. Also beschloss ich, einfach drauf loszulaufen. So ging ich den HM dann auch an: forsch. Das Tempo war (für meine Verhältnisse) recht hoch, bei um 7:40 min/KM, mal knapp drunter, mal knapp drüber. Es lief gut, es rollte, die Versorgungsstellen waren klasse, die neue Strecke kurzweilig. Bei KM11 schloss sich mir eine junge Dame an, Veronika, sie lief ihren ersten Halbmarathon und fragte, ob sie mit mir laufen dürfte. Dann traf ich noch auf ein paar Chickens, bevor ich bei KM15 meine schnellste Zeit über diese Distanz hinhaute – so deutlich unter 2 Stunden hatte ich das noch nie geschafft. Ein Finish in 2:41 schien in greifbare Nähe gerückt. Es dauerte keinen Kilometer, da rutsche ich beim sprichwörtlichen Tanz auf der Rasierklinge ab. Aua. Bis dahin war ich fast eine halbe Minute im Pace schneller unterwegs pro Kilometer als bei meinem letzten HM in Mannheim. Hätte gut gehen können. tat es aber nicht.

Veronika und ich liefen am Beiertheimer Stadion vorbei und schlagartig wurde mir klar: 21km sind heute keine gute Idee. Ich fröstelte arg. Dachte zuerst, es käme von den äußerlichen Wassererfrischungen an den Versorgungsstationen. Kopfschmerzen hatte ich auch. Sekunden später wurde mir schwindelig. Ich musste gehen. Veronika ging mit mir, sie wollte nicht alleine laufen. Ein, zwei Hundert Meter entfernt, es muss laut Polar so bei KM16 gewesen sein, stand ein Rettungswagen. Es ging alles so schnell, ich hatte meiner Mitläuferin auch nicht gesagt, dass mir nicht so gut war. Der Entschluss stand sehr schnell fest: das gibt ein DNF. Ich lief mit Veronika noch bis kurz vor den RTW, und stieg dann aus. Die Sanis haben mich toll wieder aufgepäppelt (vielen Dank dafür!!!), mein Puls war viel zu hoch und meine Sauerstoffsättigung unterirdisch. Die nette Dame lieh mir ihr Handy, damit ich Freund Mitläufer Bescheid geben konnte, mit zwei weiteren verarzteten Teilnehmern wurde ich wieder an die Messe gebracht. Im Zielbereich traf ich Veronika wieder, sie hatte ihren ersten HM gefinisht. Glückwunsch, das hast Du toll gemacht!!

Marcus wartete auch schon auf mich. Ich hatte am Telefon versucht deutlich zu machen, dass es mir einigermaßen gut ging, aber Sorgen machte er sich natürlich trotzdem, mein DNF fand er krasser als ich selbst. Für ihn selbst war es ein tolles Rennen und eine tolle Vorbereitung für den Marathon in Frankfurt: Klick

Es war die absolut richtige Entscheidung, auszusteigen. Das war es mir einfach nicht wert. Ich habe nicht lange nachgedacht, so wie ich mich gefühlt habe, war einfach klar, dass ich auf den letzten 5km durch die Hölle gehen müsste, um anzukommen. Und für was? Gesundheit geht immer vor. Die habe ich nur einmal, Läufe gibt es genug. Ich bin, das muss ich ehrlich zugeben, stolz auf meine Entscheidung. Als ich am Rettungswagen anhielt und meine Uhr stoppte, dachte ich, ich müsste vielleicht anfangen zu weinen oder würde traurig sein. Nein, war beides nicht der Fall. Ich bin erleichtert und froh, dass ich rechtzeitig ausgestiegen bin. Mir geht es gut.

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Verfasst von

Rennschnecke und Historikerin aus Leidenschaft 5k - HM & Triathlon Newbie

13 Kommentare zu „Halbmarathon in Karlsruhe: DNF aber trotzdem happy.

  1. Hiermit ziehe ich den Hut!
    Und bis KM 15 war ja alles super. 🙂
    Das Frösteln kenne ich. Sehr unangenehm, das. Da hast Du Dich im wahrsten Sinne des Wortes leergelaufen.
    Glückwunsch zu den tollen 15 km und der richtigen Entscheidung. 🙂

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  2. Es gab bei mir auch schon Momente, an denen ich an ein DNF dachte. Bis auf eine Ausnahme (Muskelfaserriss) bin ich dann aber immer ins Ziel gelaufen. Ich denke, ich kenne meinen Körper gut und konnte das immer richtig einschätzen. Einmal bin ich bei einem HM (Mannheim) wegen hohem Puls bei den Sanis am Rand stehen geblieben und pausierte ein paar Minuten. Danach entschloss ich, locker weiter zu laufen. War für mich absolut ok. Doch ich finde es auch ok, wenn jemand wie Du sagt „nein, ich steige aus“. Das muss jeder für sich entscheiden und nur man selbst weiß, wie es einem geht. Manchmal ist es einfach wirklich die bessere Entscheidung. Abhaken und die ersten 15km in Erinnerung behalten. 🙂

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  3. Daumen hoch für die richtige (und auch mutige) Entscheidung.
    In Oxford beim HM ging es bei mir plötzlich mit Laufen nicht mehr und ich bin auf der zweiten Hälfte lange Strecken gegangen. Gerade auch die letzten 3 km vor dem Ziel als es wieder in die Innenstadt reinging und wo dann auch die Zuschauer standen. Ich hätte mich gerne zum Laufen gezwungen, aber mir war klar, dass ich dann nicht garantieren hätte können, dass ich auf beiden Beinen durchs Ziel komme. Also gehen… Man muss auf seinen Körper hören und was nicht geht lässt sich nicht erzwingen.
    Besser und vor allem gesünder ist es ab einem gewissen Punkt nachzugeben und ggf. auch komplett abzubrechen – und nach vorne sehen und sich einen neuen Lauf zu suchen.
    Ich drück die Daumen, dass Du was schönes findest und es nächstes mal wieder ein Finish wird!

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    1. Dann auch dir herzlichen Glückwunsch- ich denke die Fähigkeit auf seinen Körper zu hören ist essentiell. Man muss unterscheiden können ob es lediglich ein Zipperlein oder der Kopf ist oder ob wirklich etwas so sehr nicht stimmt, dass die Gesundheit vor geht. Ich hab in dem Moment was ganz wichtiges verstanden, nämlich dass der Spruch „der Weg ist das Ziel“ mehr Wahrheit als Floskeln enthält. Natürlich will man gerne finishen und es kann einem ja nicht bei jeden Lauf schlecht gehen. Doch ne Gesundheit hab ich nur eine….
      Halbmarathon in Oxford?? Will auch!!! Hab mir gerade mal die Strecke angeschaut, etwa bei KM3 ist das College in dem ich studiert hab, St. Anne’s.
      LG

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      1. Ja, wenn Du dort studiert hast, dann solltest Du das schon mal einplanen. Ich war im Urlaub in Stratford-Upon-Avon und hab mir überlegt was ich danach machen soll. Und dann las ich vom #OH und hab mich kurzentschlossen angemeldet und den zweiten Teil meines Urlaubs dort verbracht. Oxford und Umgebung angucken und dann am Tag vor meiner Weiterreise nach London der Oxford Half: http://www.claowue.de/wp-content/uploads/2016/01/Oxford-Half-2015.pdf

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