HM Mannheim 2016: Mit Waldemar durch Seckenheim oder: die Flucht vor dem verrückten Kuhglocken-Bimmel-Mann

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Gestern stand er an, mein zweiter Halbmarathon in diesem Jahr. Mannheim (im Folgenden des Öfteren „Monnem“ genannt) sollte der Schauplatz sein. Der SRH Dämmermarathon hatte neben der vollen und der halben Distanz nun auch ein 10km-Rennen und einige Schülerläufe im Programm. Dämmermarathon deshalb, weil der Start erst um 19 Uhr erfolgte und man in der Dämmerung (oder in meinem Fall im Stockdunkeln) ins Ziel einlaufen sollte. Was hatte ich mir vorgenommen?

Auf jeden Fall endlich mal eine Zeit unter 3 Stunden in der Ergebnisliste. Eine 2:45 wäre das 20. Weltwunder, es sollte einfach mal im Bereich meines letzten Trainingshalben liegen. Und was mir wichtiger war: bisher bin ich an meiner Renneinteilung immer grandios gescheitert (zu schnell angegangen, Strecke falsch eingeschätzt, von Ordnungsamtsvampiren stressen lassen usw.). Vor allem da sollte es heute einfach mal laufen.

Und das taten wir dann auch. Der Start erfolgte verzögert, die Zeit bis dahin vertrieb ich mir mit nettem Chicken-Geschnatter. Dabei fiel mir auch auf, dass ich deutlich weniger nervös und mein Puls viel weiter unten war als bei meinen bisherigen HMs, bei denen ich mir vorm Start am liebsten in die Lauftights gebachelt hätte…

Wir waren der letzte Block, der starten durfte. Die beiden Chickens legten ein ordentliches Tempo vor und ich beschloss, meiner Marschroute zu folgen, und die ersten 5-7km gemütlich und mit mehr Blick auf den Puls als auf das Tempo richtend anzugehen. Natürlich geht man im Wettkampf dennoch immer schneller an als im Training, aber ich konnte meinen Puls dennoch gut im unteren GA2-Bereich halten. Es ging durch die Augustaanlage, am Carl-Benz-Stadion vorbei und auf die Seckenheimer Landstraße. Auf diese Stimmungshochburg freute ich mich wahnsinnig – ich hatte schon gehört, wie grandios es dort sein soll. Und ich wurde nicht enttäuscht!! Gänsehaut, die kompletten Kilometer durch Seckenheim. Es ist sicherlich für jeden Läufer ein Erlebnis, aber besonders für uns Rennschnecken am Ende des Feldes ist es etwas ganz besonderes, wenn man die Aufmerksamkeit und die Anfeuerung für sich hat. Alleine? Fast. Hinter mir lief ein älterer Herr, der von den Seckenheimern lautstark mit „Auf geht’s, Waldemar!“ angefeuert wurde. Dass er zurück brüllte, er hieße gar nicht Waldemar, störte niemanden. In Seckenheim wird er von nun an bis in alle Ewigkeit als „Waldemar“ bekannt sein. Die Kilometer durch Seckenheim vergingen wie im Flug, natürlich gab man auch Gas (….???….) und die Pace sowie die Herzfrequenz gingen ordentlich nach oben. Aber alles noch im grünen Bereich – es schien sich auszuzahlen, dass ich die ersten 7km weniger riskiert hatte. Kurz vor Ortsausgang Seckenheim sprang ein wie wahnsinnig mit seiner Kuhglocke vor meinem Gesicht bimmelnder Herr neben mir her, so dass ich hier kurzzeitig vor lauter Schreck mein schnellstes Pace im Rennen auspacken musste.

Über Felder und am Neckarufer entlang ging es zurück Richtung Monnemer Innenstadt. bei KM 11 hatte ich ein Gel eingeworfen, ich hoffte, dass es mir helfen würde, die restlichen Kilometer die Geschwindigkeit mindestens zu halten.

Und dann passierte es. Unter der A6, bei KM 14 begann ich vor mir liegende Läufer einzusammeln. Von Seckenheim aus auf dem Feld hatte ich noch niemanden gesehen, doch auf einmal tauchten sie vor mir auf. Auf eine junge Frau lief ich als erstes auf. Ich überholte sie, sie überholte mich und hinter ihr lief ich den kurzen Anstieg hoch – ich vertraute darauf, dass ich nicht umsonst auf sie aufgelaufen war. So war es auch, sie musste gehen und ich lief weiter. Weiter ging es am Neckarufer entlang, es war schon dunkel doch man konnte die Strecke noch gut laufen. Wieder konnte ich 3 Läufer überholen. Wow, das war mir noch nie passiert! Für den Rest des Rennens hatte ich immer wieder Läufer vor mir, auf die ich auflaufen konnte, was mir sehr half, mein Tempo zu halten.

Negativ splitting like a boss – die zweite Hälfte des Rennen war für mich deutlich schneller als die erste, endlich mal eine anständige Renneinteilung!! Bei KM 18 bekam ich ein für mich ungewöhnliches aber nettes Kompliment von einer Läuferin, die ich überholte. Ich lief an ihr vorbei, hob den Daumen und meinte: „Nur noch drei Kilometer!“. Sie daraufhin: „Was machst du mit deinem Tempo denn hier hinten?!“. WOOOOOOT?! Das freute mich! Auch wenn ich nicht wirklich viel schneller lief – ich hielt einfach ein gleichmäßiges Tempo. Besonders beeindruckt hat mich eine junge Dame, die ich bei KM 19 traf. Sie lief wohl ihren ersten Halbmarathon und wurde von zwei Freundinnen begleitet, die auf ihren Tshirts „Steffis Supportteam“ stehen hatten. Ich hoffe, sie sprudelt über vor Stolz über ihre Leistung und wird sich nie von jemanden einreden lassen, dass Menschen, die nicht ganz dünn sind, so etwas nicht können!!!

Die restlichen Kilometer vergingen wie im Flug, meine Oberschenkel taten weh, meine Füße auch, mein Rücken – aua, kalt,Pipi, mimimi. Nein. Ich hielt durch, einmal noch durch die Fressgasse und über die Planken – und dann den grandiosen Zieleinlauf am Wasserturm genießen. Legendär!!! Gänsehaut! Nach 21,4km standen 2:53:07 Std auf meiner Uhr, genau der Bereich, den ich erreichen wollte. Ich bin wahnsinnig stolz auf mich – fast 14 Minuten habe ich meine bisherige Bestzeit aus Freiburg unterboten. Die Pace war auch schneller als bei meinem Trainingshalben vor ein paar Wochen. Vielleicht wäre ohne die defensiven ersten Kilometer mehr drin gewesen, vielleicht hätte ich mehr durchziehen müssen. Aber hätte, hätte – Fahrradkette, es ist mir sowas von egal. Viel wichtiger ist es für mich, dass ich in meinem langsamen Schneckentempo einen Lauf gleichmäßig mit einer Steigerung auf der zweiten Streckenhälfte durchlaufen konnte, mich anfangs nicht aus der Ruhe bringen ließ, als viele der anderen Läufer mich überholten. Ich zog mein Ding durch.

Fazit: Eine wahnsinnig tolle Veranstaltung, super freundliche und motivierene Helfer und Zuschauer und mit Seckenheim eine legendäre Stimmungshochburg. Monnem, isch kum widder!! Und Freund Wasserträger sicher auch, denn auch er konnte eine neue PB mit 1:44:42 aufstellen. Dodruff än Schorle!! Proschd!

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Verfasst von

Rennschnecke und Historikerin aus Leidenschaft 5k - HM & Triathlon Newbie

8 Kommentare zu „HM Mannheim 2016: Mit Waldemar durch Seckenheim oder: die Flucht vor dem verrückten Kuhglocken-Bimmel-Mann

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