Rückblick: Halbmarathon in Karlsruhe 2015

In Kürze steht er an, der Halbmarathon in Freiburg. Bin ich gut vorbereitet? Habe ich genug trainiert, mich genug ausgeruht, Kräfte gespart? Da es nicht mein erster „Halber“ ist, geht mir in den letzten Tage das Erlebte bei meinem ersten Halbmarathon in Karlsruhe durch den Kopf – daher an dieser Stelle ein kurzer Rückblick auf diesen Tag…

Am 20.09.2015 war es soweit, ich stand in Startblock D (D wie „Rennschnecke“) und wartete auf den Startschuss. Von meinem Freund hatte ich mich schon verabschiedet, der war schon unterwegs und sollte fast anderthalb Stunden vor mir das Ziel erreichen. Die Spannung vor dem Start war echt fies, so lange hatte man sich vorbereitet, aber irgendwie hatte man auch Bammel vor dem Kommenden. Aber es half nichts, der Startschuss fiel und am Ende des Feldes trabte ich los. Noch während des ersten Kilometers freute ich mich, einige bekannte Gesichter der Chickens vom „Chicken Express Running Team“ zu sehen – die Damen liefen auch ihren ersten Halben und hatten tatkräftige männliche Unterstützung dabei 🙂

Das Feld zog sich hier hinten natürlich schnell auseinander. Wenn man so langsam läuft wie ich, ist es der größte Nachteil, dass man wenige Mitläufer hat, die einen motivieren und mitziehen könnten. Zu allem Überfluss merkte ich etwa ab KM 4, dass mein linker Oberschenkel heftigst am Zwicken und Zwacken war. Leichte Panik machte sich breit – ob ich aussteigen sollte? Ich entschied mich weiter zu laufen, KM 4 war sicher nicht mein Endziel.

Bei KM 7 etwa gab es dann die Begegnung mit der radelnden Ordnungsamtdame des Todes. Natürlich ist so ein Stadtmarathon ein riesiger Aufwand, Straßensperrungen, freiwillige Helfer, Wasserstationen. Respekt und Danke an all die fleißigen Helfer, die eine solche Veranstaltung erst möglich machen. Mit Ausnahme besagter Dame. Bei KM 7 erklärte sie mir und einigen wenigen um mich herum befindlichen Walkern und Läufern, dass wir viel zu langsam seien und sie uns aus dem Rennen nehmen müsste, wenn wir nicht so schnell liefen wie ein Herr etwa 200m vor uns. Ahja, die Dame hatte GPS in den Augen. Der Veranstalter hatte 9 min/km als langsamste Zeit ausgegeben, wir lagen bei KM 7 bei etwa 8:40 min/km. Natürlich war das nicht schnell, aber eben schneller. War der Dame egal, sie giftete weiter, ich war nicht cool genug und lief die nächsten beiden KM im 5km-Wettkampftempo. Da ahnte ich schon, dass ich später die Quittung dafür bekommen sollte. Wir liefen durch den Karlsruher Stadtteil Durlach und die penetrante Ordnungsamtdame erklärte uns, dass wir nun auf dem Bürgersteig zu laufen hätten. Kein Problem, machten wir. Auf der Straße hatten uns (wir waren mittlerweile ein Grüppchen aus 4 Läufern) sämtliche Besenwagen schon überholt. Es ging bei KM 10 in den Oberwald und auch hier erklärte uns die Ordnungsamtdame, dass wir gefälligst zu langsam liefen, wir seien 2 Minuten hinter der Zeit. Rums. Meinem linken Oberschenkel ging es immer schlechter und ich musste erste Laufpausen einlegen. Mit mir lief noch eine junge Dame aus Freiburg, gemeinsam waren wir im einem der ältesten Teilnehmer (Ü70!!!!) unterwegs. Mit seinem stoisch gegrummelten „Mich nimmt niemand aus dem Rennen!“ gab er mir wieder etwas Mut und Motivation.

Ein Glück kannte der Herr sich aus, denn nicht nur die Besenwagen hatten uns überholt, die Straßensperrungen waren natürlich aufgehoben und die Streckenposten nicht mehr da. Ohne den Herrn hätten die Freiburgerin und ich keinen blassen Schimmer gehabt, wo die Strecke verlief. Ein bescheidenes Gefühl. Zudem waren die Getränkestationen schon abgebaut, so dass wir uns Wasser bei den Anwohnern holten. Meine Mitläuferin musste auch gehen, sie war sich sicher, sonst Krämpfe zu bekommen. Ab KM 19 hatte ich das Gefühl, vom Ziel angezogen zu werden, mir tat alles weh, ich war körperlich und, was fast noch schlimmer war, vom Kopf her total fertig und abgekämpft. Die Ordnungsamtlady of Doom hatte mich das ein oder andere Mal soweit, dass ich kurz vorm heulen war. Diese Begegnung war härter als die 21,1km…ich wollte doch nur laufen.

Ich wollte mit knapp über drei Stunden ins Ziel kommen, am Ende waren es 3:21 und der letzte Platz bei den Damen. Aber völlig, völlig egal – ich hatte mich durchgekämpft gegen Hindernisse, die ich absolut nicht auf dem Plan hatte. Ich war stolz auf mich. Drückt mir aber dennoch die Daumen – in Freiburg hoffe ich auf einen entspannteren Lauf 😉

Advertisements

Verfasst von

Rennschnecke und Historikerin aus Leidenschaft 5k - HM & Triathlon Newbie

6 Kommentare zu „Rückblick: Halbmarathon in Karlsruhe 2015

  1. Hey du Tapfere.
    Nach dem was ich so mitbekomme was du am trainieren bist bin ich überzeugt dass du Freiburg rocken wirst. Ich drück dir die Daumen.
    Toller Bericht übrigens.
    GLG

    Gefällt 1 Person

      1. …und wenns eine gibt ist sie nicht neben sondern hinter dir….ich drück dir die Daumen…bin auf dein Ergebnis und deinen Bericht gespannt.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s