Laufen ist schwer

Eigentlich nicht so wirklich, denn das Laufen lernen wir schon als Kinder. Auch die Lauflegende Emil Zatopek wusste „Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft.“ Gehört man aber, so wie ich, zu den Gattung Mensch, die nicht dem Klischee eines schlanken, asketischen Marathonis entspricht, so ist man des Öfteren mit Vorurteilen konfrontiert, die einen doch oft länger beschäftigen als einem lieb ist. Und so bekommt das „schwere Laufen“ auch einen ganz anderen Beigeschmack…

Zuerst einmal ist es tatsächlich nicht mein Ziel, diesem Klischee zu entsprechen, das schaffen die wenigsten und es ist in meinen Augen auch nicht erstrebenswert. Es geht um Gesundheit, körperliche und geistige, Wohlbefinden, Wohlfühlen. Dennoch ist es mein Wunsch, mein Gewicht in einen gesunden Bereich zu bekommen und vor allem dort zu halten. Dafür nehme ich mir Zeit, die Tendenz des Gewichts nach unten zählt, dass es auch schwankt ist völlig normal. Gerade jetzt vor einem Halbmarathon ist mir das auch nicht wirklich wichtig.

Als ich mit Kleidergröße 50 anfing zu laufen, hielt mich nach einigen wenigen Trainingswochen ein männlicher Fahrer eines abgedunkelten BMW an, erzählte mir, er sei „Personal Trainer“ und das, was ich da tue, sei schlecht für meine Gesundheit. Kurz überlegte ich, dass ich ja eigentlich gut erzogen sei – dieses Gefühl verflog aber innerhalb einiger Millisekunden und ich wurde stinkig. Und zwar so richtig. „Wegen Arschlöchern wie Dir gehen Frauen wie ich nicht mehr auf die Straße!“

Ich konnte es nicht fassen. Never judge a book by its cover, Übergewicht kann sonst woher kommen – jemand einfach so blöd von der Seite anzuquatschen, ohne irgendwelche Hintergründe zu kennen geht gar nicht. Er wusste nicht, dass ich mein Lauftraining mit meinem Hausarzt, der selber Läufer ist abgesprochen hatte, mich untersuchen ließ, meine Blutwerte, meine körperliche Verfassung checken ließ. Eine weitere Begegnung dieser nervigen Art hatte ich auf einer Messe hier in Karlsruhe mit einem Verkäufer des Ladens „Intersport Hoffmann“, der mir vom Laufen abraten wollte, sehr vehement, und mir lieber Alltagsschuhe mit schweren Sohlen und elektronische Muskelreiz-Gedöns-Geräte anpreisen wollte…Leider war ich während dieser Begegnung nicht so schlagfertig wie beim Aufeinandertreffen mit dem Best Personal Trainer of se World ever, ever, ever.

Ich habe einige Volksläufe hinter mir, es macht mir wirklich viel Spaß, aber ab und an, so wie jetzt kurz vor Freiburg, macht man sich Gedanken, wie das so sein wird, durch eine (hoffentlich) gut gefüllte Innenstadt zu laufen. Natürlich sollte man das nicht denken, man bringt schließlich genauso Leistung wie alle anderen, die die Strecke absolvieren. Irgendwie kommen diese Gedanken doch immer wieder.

Ich möchte mich aber viel lieber an die schönen, aufbauenden Momente erinnern. An die Bergdorfmeile 2015, als ich am Ende des Feldes lief, viele Anwohner noch an der Strecke standen und meinen Namen riefen, der auf der Startnummer stand. An die Menschen, die schon auf dem Nachhauseweg nach einer Veranstaltung sind, aber nochmal stehenbleiben, klatschen, und „Respekt!“ rufen, wenn ich vorbei zuckle. An die vielen Läufer, die mich in Volksläufen überholen, aber sich oft trotzdem die Zeit nehmen und ein paar aufbauende Worte übrig haben. An die Helfer und freundlichen Zuschauer, die jeden auf die gleiche Art anfeuern und unterstützen. Und an das Gefühl, wenn man die Ziellinie überquert und realisiert, dass man gerade Einundzwanzigtausendundsiebenundneunzig Meter durchgestanden hat.

 

Keep on running!82213

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Verfasst von

Rennschnecke und Historikerin aus Leidenschaft 5k - HM & Triathlon Newbie

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